Zur harmonikalen Mittelstellung
der dorischen Skala innerhalb
der Tonarten


1. Polarität und Harmonikalität
2. Ableitung der dorischen Tonart
3. Zentrale Stellung der dorischen Tonart
4. Ausgleich und Überwindung
5. Verminderung der Halbtonschritte und Urpentatonik
6. Verminderung der Ganztonschritte
und temperierte Heptatonik
7. Einige dorische Varianten
8. Varianten mit Harmonia perfecta maxima
9. Das symmetrische Grundsystem
10. Erweiterung des Grundsystems
11. Alle in einer


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1. Polarität und Harmonikalität

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Bei der bis jetzt erfolgten Darstellung haben sich ausgehend von der pythagoräischen Aufteilung des Tonraumes zwei Grundsysteme ergeben.

Einmal eine Art pythagoräisches "Dur"-System, bestehend aus der lydischen, der ionischen sowie der mixolydischen Tonart, zum anderen eine Art pythagoräisches "Moll"-System, bestehend aus der lokrischen, der phrygischen sowie der äolischen Tonart.

Es wurde gezeigt, daß beide Systeme exakte Spiegelbilder darstellen und daß diese polare Spiegelbildlichkeit auch musikalisch wirksam und erlebbar gemacht werden kann. Voraussetzung hierzu ist die Erkenntnis des aktiven und des passiven Charakters einer Tonart, jenachdem ob der Grundton der Oktave oder die Oktave selbst zum Orientierungston gemacht wird.


Das abendländische musikalische Denken geht in der Regel ausschließlich von einer Grundtonorientierung aus.

Dies ist einer der Gründe weshalb die heutigen Musikausübenden bezüglich musikalischer Wirkungen schlicht und recht im Regen stehen, hier keine rechte Orientierung finden und schließlich sich ausschließlich in Kriterien ästhetischen Genusses bewegen.

Der Anspruch der absoluten Musik wird oft mit eben diesem ästhetischen Genuß begründet. Ästhetischer Genuß sollte eine selbstverständliche aber beiläufige, nicht besonders zu betonende Nebenwirkung der Musik sein.

Wenn sich Musik aus ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit entfaltet, unvergewaltigt durch teilweise seelenentfremdete Formgesetze wird sie wie von selber zu einem erstklassigen Psychotherapeutikum, nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft.

Programmusik muß man berechtigterweise ablehnen, soweit hierbei musikalische Strukturen aus untermusikalischen (unter der Eigenart der Musik stehenden) Prinzipien abgeleitet werden. Eine Form der absoluten Musik die ihre Wirkungsdimension aber opfert und sich auf ästhetische Gesichtspunkte verengt ist eine ebenso üble Form musikalischer Verwahrlosung.



Wenn sich Musik aus ihrer innewohnenden Gesetzmäßigkeit entfalten kann, hebt sich der Gegensatz zwischen Programmusik (Tonsymbolik) und absoluter Musik auf, da die der Musik immanenten Gesetzmäßigkeiten mit den Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Seele, des Geistes sowie der gesamten kosmischen Struktur identisch sind.

Vom harmonikalen Bild der Welt ist hier die Rede.

Abb.6-1: Die beiden polaren Grundsysteme der Musik




Dem aktiven Yang-System, "Dur"-System steht in harmonikaler Symmetrie das aktive Yin-System, "Moll"-System gegenüber.

Beim ersteren ist der Grundton, bei letzterem der Oktavton Orientierungston. Dem passiven "Dur" steht in ebensolcher Symmetrie das passive "Moll" gegenüber, da das passive "Dur" vom oben gelegenen Orientierungston ausgeht, wie das passive "Moll" vom unten gelegenen Orientierungston.

Bei der Exploration dieser vier Systeme stellt sich im Laufe der Zeit die Frage, wie sich das sogenannte Männliche und das sogenannte Weibliche diesen Systemen zuordnen. Wenn das sogenannte Weibliche durch "Moll" charakterisiert ist, besitzt das sogenannte Weibliche auch eine dem sogenannten Männlichen ebenbürtige Aktivität, die aber in ihremWesen "mollhaft" ist, die männliche Aktivität dagegen "durhaft".

Zeichnet sich dagegen das sogenannte Weibliche durch Passivität aus, dann sind folgerichtig "Dur" und "Moll" sowohl männliche als weibliche Eigenschaften.


Völlig unsinnig dagegen ist die Auffassung des Weiblichen als zugleich "mollhaft" und passiv.

Das ist eine Verleumdung unsinnigster aber schwerwiegenster Art, die das patriarchale Vorurteil und die ihm zugrunde liegende Weltsicht entwickelt hat.

Bildet man die Quintenkette

f - c - g - d - a - e - h

so bilden die drei unten gelegenen Töne die Orientierungstöne des "Dur"-Systems, die drei oben gelegenen Töne die Orientierungstöne des "Moll"-Systems.
Besteht in der Abbildung das System mit den in der Quintenkette unten gelegenen Orientierungstönen aus 6 gelben und zwei blauen Intervallen, so ist es umgekehrt wenn die Orientierungstöne in der Quintenkette oben gelegen sind . Dort überwiegen die blauen "Moll"-Intervalle.

Es kann jetzt nur noch eine zusätzliche Tonart gebildet werden, deren Material aus einer zusammenhängenden Quintenkette besteht.

Diese Tonart ist in Anlehnung an die mittelalterlichen Modi, die Kirchentöne, als die dorische Tonart benannt worden.

Ihr Orientierungston liegt in der Mitte der Quintenkette und daher vermuten wir, daß diese Tonart "gelbe" und "blaue" Anteile zu gleichen Teilen besitzt.




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2. Ableitung der dorischen Tonart

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Um den Intervallen dorischer Tonleitern die pythagoräische Qualität zu geben, müssen sie aus der Zahl 3 entwickelt werden. Es ergibt sich dann wieder eine Tonleiter mit 5 Ganztönen von je 204 Cent und zwei Halbtönen mit je 90 Cent.

So wie die lydische Tonart aus der Potenzenreihe:

30 - 36

und die lokrische Tonart aus der Potenzenreihe:

3-6 - 30

so wird die dorische Tonart aus der Potenzenreihe:

3-3 - 33

gebildet.



3-6

3-5

3-4

3-3

3-2

3-1

30

31

32

33

34

35

36






An den Hochzahlen kann man hier schon erkennen, daß die lydische Skala nur Yang-Intervalle besitzt, die lokrische Skala nur Yin-Intervalle, die dorische Skala dagegen gleich viele gegensätzliche Intervalle besitzt.

Die Umrechnung der Potenzwerte ergibt:

1/27 - 1/9 - 1/3 - 1 - 3/1 - 9/1 -27/1


Die Symmetrie der reziproken Werte sticht ins Auge. Die Werte >1 werden nun in die Oberoktave oktaviert, die Werte <1 in die Unteroktave:

16/27 - 8/9 - 2/3 - 1 - 3/2 - 9/8 - 27/16


Jetzt hat man die Tonzahlen erhalten. Die zugehörige Quintenkette würde lauten:


Es - B - F - C - G - D - A


Der Ton C ist hierbei willkürlich mit dem Wert des Orientierungstones versehen worden =1.

Die Umrechnung in die Cent-Werte ergibt:

Abb.6-2: Die Centwerte der dorischen Tonleiter in ihren zur
Unteroktave und zur Oberoktave gehörenden Anteilen.





Der 3 Töne der Unteroktave sind Es, B und F die die gleichen Centwerte besitzen wie die Töne der Oberoktave G, D und A, nur mit negativem Vorzeichen.

Die Oktavierung in die Oberoktave ermöglicht die Ordnung der Töne in einem einzigen Oktavraum. Geordnet nach ansteigenden Frequenzen von links nach rechts erhält man die dorische Tonleiter.

Ebenso korrekt kann man sagen: Geordnet nach absteigenden Frequenzen von rechts nach links erhält man die dorische Tonleiter.

1 - 9/8 - 32/27 - 4/3 - 3/2 - 27/16 - 16/9 - 2


0 - 204 - 294 - 498 - 702 - 906 - 996 - 1200




C - D - Es - F - G - A - B - c


Die Saitenteilungszahlen lauten:

1 - 8/9 - 27/32 - 3/4 - 2/3 - 16/27 - 9/16 - 1/2


Ein Monochord mit der Gesamtlänge von 120 cm ist wie folgt zu unterteilen:

C = 120,00 cm
D = 106,67 cm
Es = 101,25 cm
F = o90,00 cm
G = o80,00 cm
A = o71,11 cm
B = o67,50 cm
c = o60,00 cm


Synthesizer deren Tastenfrequenzen veränderbar sind wie z.B. SY77 oder DX7II oder auch der DX11 und etliche andere teilen die Oktave zumeist in 768 oder 1024 temperierte Einheiten auf.

Der Centrechnung liegen 1200 temperierte Einheiten zugrunde. Je nach verwendetem Synthesizer muß man die Centwerte also durch Dreisatz umrechnen.





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3. Zentrale Stellung der dorischen Tonart

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Geht man vom Orientierungston C zunächst eine Quinte abwärts und ebenso eine Quinte aufwärts, erhält man eine kurze Quintenreihe:
F - C - G.


3-6

3-5

3-4

3-3

3-2

3-1

30

31

32

33

34

35

36



Hieraus wird durch Oktavierung in einen Oktavraum:


C - - F - G - - c.



Zwei Quarträume sind durch einen Ganzton getrennt.

Bei pythagoräischer Stimmung, die die Merkmale der Dreizahl realisiert, liegt hier wieder die goldene Proportion als zentrales Element auch der dorischen Tonart vor.

Ergänzt man diese kurze Quintenreihe um je eine weiter Quinte nach unten und nach oben, erhält man eine pentatonische Quintenreihe, nämlich:

B - F - C - G - D.


3-6

3-5

3-4

3-3

3-2

3-1

30

31

32

33

34

35

36




Oktaviert in eine aufsteigende Reihe erscheint nun neben der großen Sekunde D auch die kleine Septime B:

C - D --- F - G --- B - c


Diese pentatonische Skala besitzt keine Terz und keine Sexte, daher wir sie nicht als vollständige und vollwertige Tonleiter auffassen.

Hierzu verlangen wir von einer Tonleiter, daß sie für jedes Element des Oktavraumes einen Repräsentanden besitzt, vor allem aber auch für das Luftelement zwei Repräsentanden, einen für die Quinte und einen für die Quarte.

D und B repräsentieren das Erd- und das Ätherelement.

Ergänzt man diese pentatonische Reihe, die, abgesehen von ihrer Unvollständigkeit auch schon ein wundersames Muster ausgeglichener Struktur darstellt, um je eine weitere Quinte nach unten und nach oben, so kommen die Töne Es und A hinzu, die das Wasser und das Feuerelement repräsentieren.




Abb.6-3: Die dorische Tonart (Centwerte)




Erfährt man diese Tonleiter in dem man sich am Grundton C (Frequenz beliebig) orientiert, so hält man F, B, Es als zusammenziehende, yin-artige oder auch "mollartige" Intervalle, G, D und A als expandierende, yang-artige oder auch "durartige" Intervalle.

Da F und G, B und D, sowie Es und A, in ihrer gegensätzlichen Kraft genau gleich stark sind, erfährt man mit dieser Tonleiter ein Maß von Ausgewogenheit und Ausgeglichenheit, das man wohl als vollkommen bezeichnen kann.

Die schon bekannte stabile Verankerung durch die goldene Proportion ist auch hier Strukturelement erster Wahl.

Die kleine Septime verstärkt die Erfahrung der sanften mixolydischen Tonart, verhalten zu können, nicht zur Oktave, zum Kern des Anderen vorwärtsdrängen zu müssen, wie es ja typisch für die ionische und die lydische Tonart ist.

Das Nichtvorhandensein der kleinen Sekunde schafft ein Distanzgefühl zwischen Ich-Kern und Sekundbereich wo man sich durch keine Leittönigkeit bedrängen lassen muß, keine Kräfte von oben werden zur Gefahr, sie können nicht zum Ich hindrängen, sei es zum Segen, sei es zum Verderben.

Die große Terz und die große Sexte der mixolydischen Tonart geben dieser noch einen Rest von expandierender Strebetendenz. Durch Ersatz der großen durch die kleine Terz wird diese Strebetendenz bei der dorischen Tonart völlig aufgehoben. Ebenso wird die noch vorhandene aber sehr verhaltene "mollhafte" Strebetendenz der äolischen Tonart, bedingt durch die gleichsinnige Wirkung von kleiner Terz und kleiner Sexte, durch Tausch mit der großen Sexte aufgehoben.


Man kann sich hier in einen wundervollen Zustand ruhenden Gewahrseins hineinspielen.

Dabei kann man auch ebensogut den Oktavton als Orientierungston benutzen. Dann fühlt man sich eben durch die große Septime nicht bedrängt, da die kleine Septime keine Leittonspannung zur Oktave innehat, und erreicht den Kern des anderen im Grundton (Prim) nicht, da dies mit der großen Sekunde nicht möglich ist.

Die große Sekunde ist ein distanzierendes Intervall.

Die Erfahrung ruhenden Gewahrseins, ohne Strebetendenzen nach innen und nach außen folgen zu müssen, wäre für den heutigen Menschen ein Segen, da dessen natürliche Strebetendenzen durch unsere kranke Musik so verlenkt worden sind, daß sie zwar ausbeuterischen Interessen nützlich sind, dem göttlichen aber ziemlich unnütz , da der Schöpfer den Menschen seiner selbst gewahr wissen will um ihn in seiner Ebenbildlichkeit erkennen zu können.

Die Realisierung der Ebenbildlichkeit ist dem Menschen möglich, da er den hierzu nötigen freien Willen potentiell besitzt. Worin dieser freie Wille aber nun besteht, daß ist dem musikalisch verlenkten Individuum heute eher unklar.


Aber die selbstgesteuerte voll verantwortliche Realisierung der Ebenbildlichkeit ist nun mal die Haupttüre zur Unio mystica und die ist nun mal das eingeborene Ziel aller menschlichen natürlichen Strebetendenzen.

Wem hier die inneren Augen aufgehen, der wird esoterisch, (teres=Kreis), er gelangt geistig in den inneren Kreis wesentlicher religiöser Erkenntnis.

Das wird ein kollektives, bzw. ist ein kollektives Anliegen des Wassermannzeitalters. Die Realisierung der Heiligkeit soll allgemeines Anliegen des durchschnittlichen Menschen werden.

Man wird also auch die Kraft der dorischen Tonart benötigen um sich aus der neurotischen Verfangenheit in versklavenden Fixierungen unsinnig gewucherter Strebetendenzen zu lösen.

Therapeuten, aber auch jeder sonst Intersessierte, können sich mit dieser Tonart eine buddhagleiche standfeste, bzw. sitzfeste Haltung gleichschwebender Aufmerksamkeit aneignen, die für diesen Berufsstand so unendlich nützlich ist. Meditation, jene vielfältige geistige Methode, die mit den Schwingungsenergien gefühlter oder gedachter geistiger Inhalte des Bewußtseins arbeitet, findet in der dorischen Tonart ihre Heimat, da die vorübergehende Aufhebung der Strebetendenzen eine wichtigste Voraussetzung für die meditative Wirkung induzierter Schwingungsenergien sind.

Man arbeite hier wirklich lange genug mit der reinen pythagoräischen Stimmung.

Diese ist für die Mehrstimmigkeit bestenfalls geeignet, wenn einem die Ohren grob genug geworden sind um die Intervalle im Sinne der reinen Stimmung zurechtzuhören.

Und man halte sich für die hier zu machenden Erfahrungen fern von Dreiklängen und anderen Akkorden, die sind der pythagoräischen Tonart wesensfremd.


Wenn man in der Wirkung der Tonart genügend erfahren ist, kann man selbstverständlich auch mit Akkorden, mit ähnlichen aber eben auch anderen Stimmungen, die teilweise zur Mehrstimmigkeit geeignet sind, zusätzliche Erfahrungen sammeln.

Akkordhaft gestaltete Musik erschwert die Wahrnehmung und Bewußtwerdung der Intervallqualitäten.

Akkorde sind verschmolzene Gebilde die noch etwas anderes bilden als die zugrunde liegenden Intervalle, die daher überlagert werden und nicht mehr so recht, bzw. erheblich schwieriger zu Bewußtsein kommen können.

Es ist ratsam sich Akkordbildungen nur verhalten anzueignen und jeden Akkord zunächst einmal lange genug durch die "Glastüre eines Giftschrankes" zu beäugeln.





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4. Ausgleich und Überwindung

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Während bei den anderen sechs pythagoräischen Tonarten eine Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Varianten, je nachdem ob man die Prim oder die Oktave als Orientierungston musikalisch realisiert, in der Selbsterfahrung weiterbringt, hebt sich diese Unterscheidungsmöglichkeit bei der dorischen Tonart auf.

Zwischen Grad der Passivität und Grad der Aktivität gibt es bei der dorischen Tonart keinen Unterschied, egal ob man von der Oktave oder der Prim ausgeht.

Von der Oktave aus sind die Quarte, die kleine Septime und die kleine Terz aktive Intervalle, die Quinte, die große Sexte und die große Sekunde passive Intervalle. Daher sich aktive und passive Tendenzen in dieser Tonart ebenfalls die Waage halten. Vom Grundton (Prim) aus realisiert werden aus den aktiven Intervallen passive, und aus den passiven aktive Intervalle, die sich wiederum die Waage halten.

Es wird also in der dorischen Tonart sowohl jede aktive und jede passive Tendenz aufgehoben (keine Akkorde benutzen!) als auch "dur"- oder "moll"-hafte Tendenzen.

Freilich muß die kompensierende, in die Waage bringende Kraft der vorhandenen gegensätzlichen Wirkungen der Intervalle auch musikalisch realisiert werden. Das einfache Modell Prime oder Oktave als Orgelton, ansonsten alle Intervalle gleichberechtigt ausführen, führt hier zum Erfolg.

Der musikalisch und religiös Suchende mache sich klar, daß es sich bei der dorischen Tonart keineswegs um eine Molltonart handelt. Durch Betonung der kleinen Terz -Es- entsteht nur ein Art Pseudo-Moll, das den wirklichen Charakter der dorischen Tonart nicht nur nicht ausschöpft, sondern auch noch verleugnet.

Ebensogut könnte man die dorische Tonart durch Hervorhebung der großen Sexte zu einem Pseudodur verkommen lassen.

Die über die yin- und yang- artigen Gegensätze der Welt und des Lebens erhebende Kraft der dorischen Tonart ist eine Art Grundmodell, wie man überhaupt im Leben wie in der Musik, auch in komplexeren Verhältnissen als die der dorischen Tonart, die Vereinigung der Gegensätze verwirklichen muß, will man seine neurotischen Neigungen etwas den wundersamen Heilmechanismen, die der Schöpfer in der Welt wie im Menschen etabliert hat, näher kommen lassen.


Eine wichtige Angelegenheit ist hierbei der Ausgleich der in jedem Menschen angelegten weiblichen und männlichen Aspekte.

Die Herausarbeitung dieser Gegensätze, ihre selbsterfahrende Bewußtwerdung und schließlich die vereinigende Heilung, all dies ist in den schlichten sieben pythagoräischen Tonarten jedem Menschen vor die Füße geworfen.

Er kann darauf rumtrampeln aber auch niederknien um dieses Wunder mit seinen Augern aus der Nähe sehen zu können.

Die Ausbalancierung der weiblichen und männlichen Kräfte ist eine Bedingung ohne die es nicht geht (Conditio sine qua non) um Zutritt zum geistigen Kraftfeld des schmalen Pfades zu erhalten. Diese Bedingung ist ebenso fundamental wie die Bewußtwerdung der Komplementärpsyche, des Schattens alles menschlichen Selbstverständnisses. Hier wird der Tritonus noch ganz unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

Eine dritte wegweisende Konsequenz ergibt sich aus den in der bürgerlichen Welt nicht begriffenen seelischen und geistigen Wirkungen der Nahrungsmittel.

Die Halbtonabstände der dorischen Tonart liegen im unteren Quartraum zwischen großer Sekunde und kleiner Terz, im oberen Quartraum zwischen großer Sexte und kleiner Septime. In Centwerten ergibt sich folgende Schrittfolge von Halb- und Ganztönen:



Abb.6-4: Schrittfolge der dorischen Tonart



Im unteren Quartraum liegt die Schrittfolge:

204 - 90 - 204

vor, identisch mit der Schrittfolge im oberen Quartraum. Man kann hier deutlich die Symmetrie beider Quarträume in sich selber erkennen.

Der Halbtonabstand ist von zwei gleich großen Ganztonabständen eingerahmt. Der Ganztonabstand hat eine trennende Funktion. Der mittlere Ganztonabstand trennt den unten gelegenen Quartraum vom oben gelegenen Quartraum.


Der geometrische Mittelpunkt der unteren Quarte liegt bei 249 Cent, der geometrische Mittelpunkt der oberen Quarte liegt bei 951 Cent.

249 Cent ist aber auch der geometrische Mittelpunkt des Halbtonintervalls in der unteren Quarte D-Es, 951 Cent ist auch der geometrische Mittelpunkt des Halbtonintervalls in der oberen Quarte A-B.

Der Halbtonabstand hat immer eine verbindende Funktion, will sich immer in einem der beiden Töne auflösen, daher die Halbtöne ja auch zu Leittönen stilisiert werden können.

Wenn man die beiden Halbtöne D-Es in ihrer Bedeutung etwa gleich stark realisiert, so daß keiner der beiden gegenüber dem anderen die Oberhand erhält, kann nur noch ein energetischer Fluß in den Zwischenraum zwischen den beiden Tönen stattfinden, idealiter genau zum Mittelpunkt von 249 Cent.

Dasgleiche gilt für den Halbtonabstand A-B, wobei der idealisierte Zielpunkt des energetischen Flußes 951 Cent wäre.

Um den Mittelpunkt der unteren Quarte herum liegt aber der indifferente, nicht polare Übergangsbereich zwischen Sekund- und Terzbereich, also zwischen dem Erd- und dem Wasserelement. Ebenso liegt um den Mittelpunkt der oberen Quarte herum der indifferente Übergangsbereich zwischen Sext- und Septimenbereich, also zwischen dem Feuer- und dem Ätherelement.

Es stellt sich die Frage nach der Bedeutung dieses Energieflusses in einen apolaren Tonbereich, der zugleich die Mittelpunkte der beiden Quarträume darstellt.





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5. Verminderung der Halbtonschritte und Ur-Pentatonik

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Obgleich die pythagoräische Grundform der dorischen Tonart aufgrund der goldenen Proportion und des festen infrastrukturellen Zusammenhaltes durch die reine Quintenstimmung gewissermaßen die dorische Variante erster Wahl darstellt, kann man das Symmetriewunder dieser Tonart auch in allen folgenden Variantenbildungen erleben.

Wir behalten hier um scheiternden Verirrungen entgegenzuwirken wieder das Muster gleich großer Ganztöne und gleich großer Halbtöne bei.

Wenn sich die in Abbildung 4 dargestellten Ganztonschritte um 2 Cent vergrößern, müssen die beiden Halbtonschritte um je 5 Cent vermindert werden.


204 - 90 - 204 - 204 - 204 - 90 - 204
206 - 85 - 206 - 206 - 206 - 85 - 206
208 - 80 - 208 - 208 - 208 - 80 - 208
210 - 75 - 210 - 210 - 210 - 75 - 210
212 - 70 - 212 - 212 - 212 - 70 - 212
214 - 65 - 214 - 214 - 214 - 65 - 214
216 - 60 - 216 - 216 - 216 - 60 - 216


Hier ist der Halbtonabstand nun allmählich an seiner untersten Grenze angekommen. Verringert man diesen Abstand noch weiter im gezeigten Sinne verschwindet der dorische Charakter der Skalen, man gerät in apolare Intervallbereiche.

Führt man das bis zum Ende durch erhält man schließlich:


240 - 0 - 240 - 240 - 240 - 0 - 240


Der ehemalige Halbtonabstand ist hier zu einem einzigen Ton zusammengeflossen und es ist eine Pentatonik entstanden, die den Oktavraum in 5 gleich große Ganztöne aufteilt.


Abb.6-5: Die Urpentatonik (Centwerte)




Diese Urpentatonik soll in der inneren Geistesgeschichte der Menschheit einmal insofern eine tragende Rolle gespielt haben, als sie schon eine gute Annäherung an die aus der Siebenzahl entwickelte Septimenmusik darstellt. Ein hellsichtiger Geistesforscher der jüngeren Geschichte hat diese der atlantischen Rasse zugeschrieben.

480 Cent liegt schon stark im untersten Bereich der Quartwirkung, 720 Cent schon stark im obersten Bereich der Quintwirkung, also schon fast im Übergangsbereich zum Feuerelement. 480 Cent schon fast im Übergangsbereich zum Wasselement.

240 Cent liegt im Übergangsbereich zweier Elemente, Erde und Wasser. 960 Cent liegt im Übergangsbereich zwischen dem Feuer- und dem Ätherelement.


Musik die hieraus entsteht ist noch aller Polarität enthoben, aber sie kann sie natürlich auch nicht meistern, wie es die dorische Tonart tut.

Behält man bei der geschilderten Variantenbildung die goldene Proportion bei, so ergibt sich bei vollständiger Durchführung ebenfalls eine Pentatonik:


204 - 90 - 204 - 204 - 204 - 90 - 204
206 - 86 - 206 - 204 - 206 - 86 - 206

usw. ...bis

249 - 0 - 249 - 204 - 249 - 0 - 249


Dies ergibt folgende Tonleiter:

0 - 249 - 498 - 702 - 951 - 1200


Hier ist eine Pentatonik mit der goldenen Proportion und der genauen Aufteilung der beiden Quarten in ihren Hälften.

Während hier im Luftelement die beiden polaren Maxima getroffen werden, liegt der Ton mit 249 Cent nun im zentralen Übergangsbereich zwischen Sekunden- und Terzbereich. Genau dort wohin idealiter die energetische Halbtonspannung D-Es der dorischen Tonart zuströmt, wie oben ausgeführt.

951 Cent stellt den Ton dar, wie ebenfalls ausgeführt, dem die energetische Halbtonspannung der dorischen Töne A-B zufließt. Es ist als ob die dorische Tonart hier auf die alten apolaren Zustände rückverweisen würde.





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6.Verminderung der Ganztonschritte und temperierte Heptatonik

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In umgekehrter Richtung kann man nun ebenso feine symmetrische Bildungen durchführen und sehen wo man jetzt hingelangt.

Verminderung des Ganztones um 2 Cent erfordert Vermehrung des Halbtones um 5 Cent.


204 - 090 - 204 - 204 - 204 - 090 - 204

202 - 095 - 202 - 202 - 202 - 095 - 202

200 - 100 - 200 - 200 - 200 -100 - 200

In der letzten Reihe hat man jetzt die Intervallschritte der gleichschwebenden Temperatur .

Geht man in diesem Sinne weiter kommt man auch bei der mitteltönigen Stimmung mit reinen großen Terzen vorbei.

193 - 117 - 193 - 193 - 193 - 117 - 193

Eine reine große Terz ergibt sich hier mit 386 Cent (5/4) aus zwei hinter einander gelegenen Ganztonschritten.

Bei weiterem Vorgehen erreicht man bald eine ebenso wichtige mitteltönige Stimmung, nämlich mit reiner kleiner Terz (6/5).

189,5 - 126 - 189,5 - 189,5 - 189,5 - 126 -189,5

Die kleine reine Terz (315,6 Cent) ergibt sich hier durch einen Halbton und einen Ganzton die aufeinander folgen.

Erreicht der Halbton bei weiterem Vorgehen nun 130 Cent beginnt allmählich der Bereich der Dreiviertelsekunde also der neutrale apolare Sekundbereich, dann wollen wir die entstehenden Strukturen nicht mehr der dorischen Tonart zurechnen.

Vielleicht hat der Leser schon erkannt, daß bei weiterer Durchführung dieses Weges die ehemaligen Halbtöne dieselbe Größe erreichen wie die gleichzeitig abnehmenden Ganztonintervalle.

Es entsteht dann eine Tonleiter mit 7 gleich großen Dreivierteltönen von 171,4 Cent.

171,4 - 171,4 - 171,4 - 171,4 - 171,4 - 171,4 - 171,4

Eine solche Tonleiter soll es noch nie auf der Welt gegeben haben. Dabei ist sie wunderschön und von einer wunderbaren Einfalt getragen.

Es ergibt sich folgende Tonleiter.



Abb.6-6: Die gleichschwebend temperierte
Heptatonik (Centwerte)




In vorstehender Abbildung umfassen alle farblich unterschiedenen Intervallbereiche jeweils 100 Cent, abgesehen von Prime, Tritonus, und Oktave. Dort sind Intervallbereiche von je 50 Cent unterschieden. Die Abbildung zeigt deutlich daß alle Intervalle der temperierten Heptatonik formal noch in denselben Intervallbereichen liegen wie die dorische Tonart.

Die beteiligten Intervalle sind durch verstärktes Gelb und verstärktes Blau hervorgehoben. Die Werte sind aber innerhalb der Intervallbereiche randständig, daher in ihrer Wirkung apolar und daher mit dem polaren Wesen der dorischen Tonart nicht mehr vereinbar.


Durch die Zusammenschau der polaren dorischen Tonart mit der temperierten Heptatonik und ihrer Identität hinsichtlich der Intervallbereiche wird sichtbar, wie durch die dorische Tonart Merkmale der temperierten Heptatonik, auf einer höheren Stufen, nämlich unter Einbeziehung der polaren Welten- und Lebensproblematik übernommen werden.

DieTerz, Sekunde, Sexte und Septime sind deutlich apolar, Quarte und Quinte haben nicht den schützenden abgrenzenden Charakter der goldenen Proportion, sind aber deutlich polar.

Diese Tonart vermittelt ein Erleben als sei man noch in einer Art Paradies und möchte einen die Augen vor der polaren Wirklichkeit des Lebens verschließen lassen.

Anders die polare dorische Tonart, insbesondere die pythagoräische, die hineingestellt in den polaren Weltenkampf zwischen dunklen und hellen Mächten ihren Gegensatz bändigt und eine Vollkommenheit symbolisiert und realisiert die eben auch wesentliche Merkmale der temperierten Heptatonik noch mitschwingen läßt.

Wir schreiben der temperierten Heptatonik einen hohen Erkenntniswert, einen hohen Selbsterfahrungs- und Therapiewert zu.

Wir überlassen es dem Leser die Verminderung der Ganztöne nun auch mit goldener Proportion durchzuführen.





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7. Einige dorische Varianten

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Während in den vorhergehenden Absätzen die dorischen Varianten in Tonschritten gezeigt wurden, werden hier noch einmal einige Tonleitern zusammengestellt, nach aufsteigenden Frequenzen, die durch feinere Zwischenglieder noch ergänzt werden können.

Bewegen sich die Ganztonschritte in eine Richtung um 2 Cent, bewegen sich die Halbtonschritte in der entgegengesetzten Richtung um 5 Cent.

GT = Größe der Ganztonintervalle.
HT = Größe der Halbtonintervalle.



C

D

Es

F

G

A

B

c

 

GT

HT

0

182 327

509

691 873 1018 1200 182 145

0

184 324

508

692 876 1016 1200 184 140
0 186 321 507 693 879 1014 1200 186 135
0 188 318 506 694 882 1012 1200 188 130

0

192 312

504

696 888 1008 1200 192 120
0 200 300 500 700 900 1000 1200 200 100
0 204 294 498 702 906 996 1200 204 90

0

206 291

497

703 909 994 1200 206 85
0 210 285 495 705 915 990 1200 210 75
0 214 279 493 707 921 986 1200 214 65
0 216 276 492 708 924 984 1200 216 60

0

218 273 491 709 927 982 1200 218 55


Einige dorische Varianten



Die aufgeführten Varianten rechnen wir noch alle zu der dorischen Tonart, weil die Polarität der Intervalle noch vorhanden ist.

Führt man die Aufstellung allerdings nach oben und unten weiter, gelangt man zunächst bei den Sexten und Terzen in apolare Bereiche bis man schließlich wieder bei der temperierten Pentatonik, resp. bei der temperierten Heptatonik angelangt ist.

Die angesprochenen mitteltönigen Varianten liegen im Bereich der dorischen Tonart.

Nochmals sei hervorgehoben, daß nur die pythagoräische Urform der dorischen Tonart, die Qualitäten der Dreizahl in reinster Form repräsentiert.





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8. Varianten mit Harmonia perfecta maxima

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Die hier und in vorhergehenden Artikeln aufgestellten Varianten ermöglichen den gesamten Tonraum detailliert kennen zu lernen. Etwas Zeit muß man sich dazu lassen und sich auch recht in seinen meditativen und kontemplativen Fähigkeiten stärken.

Von der feinen inneren Wahrnehmung hängt es ab, ob man den roten Faden durch das Ton-Labyrinth findet oder sich demnächst wieder vom musikalisch-ästhetischen Gaumenschmauß vollrieseln läßt - um dann einige Zeit später wieder bei seinem Therapeuten über diese und jene Unzulänglichkeiten und Lebenswidrigkeiten zu klagen.


Die esoterische Herausforderung verlangt Anstrengung, aber eine solche, die einem leicht von der Hand gehen kann.

Wie schon Agrippa von Nettesheim festgestellt hat, der Schöpfer hat alles zum besten bestellt.

Die Schöpfung hat keinen Mangel, vor allem nicht den, daß Gott den Menschen, sein Ebenbild (Nur die Höhe des Menschen ist der Mensch) in irgendeiner Weise überfordern würde.

Wenn man alle diese Varianten durchgeht und sie auch noch weiterführt, gelangt man auch in apolare Bereiche die zu seelischen und geistigen Inhalten führen, die uns Abendländern eher fremd und unbekannt sind, aber nichtsdestotrotz im Rahmen eines Weltmusikkonzeptes erarbeitet werden müssen.

Wer zu spät kommt, den bestraft auch hier das Leben, und zwar in Form der esoterischen Realität.

Doch ist jedes Übermaß schädlich und die goldene Proportion, zu der man bei allen Ausflügen in die Tonwelt wie in einen Heimathafen zurückkehren kann, an der man sich auch festhalten kann, bietet einen erheblichen Schutz gegen allzu viel Einfluß aus einer Tonwelt die unziemliche Einbrüche aus dem Über- und dem Unterbewußten ermöglicht.

Daher werden hier auch noch die Variationen mit erhaltener goldener Proportion aufgeführt.

GT = Größe der Ganztonintervalle.
HT = Größe der Halbtonintervalle.



C

D

Es

F

G

A

B

c

 

GT

HT

0

184 314

498

702 886 1016 1200 184 130
0 186 312 498 702 888 1014 1200 186 126
0 188 310 498 702 890 1012 1200 188 122

0

192 306

498

702 894 1008 1200 192 114
0 200 298 498 702 902 1000 1200 200 98
0 204 294 498 702 906 996 1200 204 90

0

206 292

498

702 908 994 1200 206 86
0 210 288 498 702 912 990 1200 210 78
0 214 284 498 702 916 986 1200 214 70
0 216 282 498 702 918 984 1200 216 66


Dorische Varianten mit goldener Proportion


Offensichtlich kann man bei erhaltenen Quarträumen durch die goldene Proportion verhältnismäßig gefahrlos die jeweils 2 Fülltöne für jede Quarte beliebig auswählen, ohne sich hierbei besonderen Gefährdungen auszusetzen.

Hierzu ist ja auch von den Alten viel Skalenmaterial überliefert worden.

Eine gewisse Vorsicht könnte bei den neutralen Terzen angebracht sein, jedenfalls umsichtiges Vorgehen.


Ändert man dagegen die goldene Proportion wird das ganze Erleben des Musikraumes mit einem Mal ein ganzes Stück unübersichtlicher.

Nicht nur das, es wird auch spürbar, wie etwas zentrales im Selbst- und Welterleben ins Wanken geraten kann.

Hier ist höchste Verantwortlichkeit gefragt, denn es geht nichts daran vorbei, daß für die nächste Zukunft, das Niemandsland zwischen Quarte und Quinte von der allgemeinen Menschheit erobert werden muß.






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9. Das symmetrische Grundsystem

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Ebenso wie man die lokrische, phrygische und äolische Tonart zu einem Grundsystem mit Yin-Charakteristik sinnvoll zusammenstellt und die lydische, ionische und mixolydische Tonart zu einem Grundsystem mit Yang-Charakteristik, so kann man auch ein symmetrisches Grundsystem bilden in dem sich die polaren Elemente die Waage halten.

Dieses System hat wie die beiden anderen ebenfalls 9 Töne.

Außer der dorischen Tonart gehören zu diesem System noch die beiden weichen Tonarten, die mixolydische und die äolische, die über die Quintverwandtschaft an die dorische angrenzen.





Abb.6-7: Das symmetrische Grundsystem der
pythagoräischen Kernskalen




Orientierungston ist hier nur C als Prime oder als Oktave.

Der musikalische Wechsel zwischen diesen drei Tonarten führt zu einem exakten symmetrischen Gebilde, wenn man neben der dorischen Tonart, die in sich selber symmetrisch ist, die anderen beiden Tonarten in gleicher Stärke berücksichtigt, also die mixolydische große Terz in gleicher Weise, wie die äolische kleine Sexte.

Die einzelnen Tonarten sollen aber auch hier nicht eintopfähnlich vermengt werden, sondern ihre jeweiligen Gestalten ineinander übergehen. Das ganze ist also nicht als eine 9-tönige Tonleiter gedacht, sondern stellt ein 9-töniges Grundsystem dar.


Man kann an der Abbildung sehen, daß in diesem System die charakteristischen Töne der beiden harten Tonarten (ionisch, phrygisch) die kleine Sekunde und die große Septime fehlen.

Ebenfalls fehlen die beiden Tritoni als charakteristische Töne der lydischen und der lokrischen Tonart.

Ausgeprägte bis ekstatische Strebetendenzen lassen sich mit diesem System nach keiner Seite durchführen, dagegen eine ausgeglichene Ruhelage in der man zwischen verhaltenem Innenstreben und verhaltenem Außenstreben stets wechseln und sich der ruhenden Mitte vergewissern kann.

Die Unterstützung kontemplativer und meditativer Haltungen ist eine der hervorragenden Eigenschaften dieses Sytems.





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10. Erweiterung des Grundsystems

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Die drei zentralen Tonarten der drei Grundsysteme der pythagoräischen Kernskalen sind die phrygische, die ionische und die dorische Tonart.

Während man das "moll"hafte System, ebenso wie das "dur"hafte nicht erweitern kann, ohne daß diese ihren Charakter zu sehr durch Hinzufügung entgegengesetzt wirkender Elemente verlieren, kann das symmetrische System erweitert werden und dabei seine symmetrisch ausgewogenen Eigenschaften erhalten.

Die dorische Tonart leitet sich aus folgender Potenzenreihe ab:

3-3 - 33

Das symmetrische Grundsystem fügte auf beiden Seiten je eine folgende Dreierpotenz hinzu:


3-6

3-5

3-4

3-3

3-2

3-1

30

31

32

33

34

35

36



Die Symmetrie bleibt nun auch erhalten, wenn man dem Grundsystem auf beiden Seiten wiederum noch je eine Dreierpotenz (Quinte) hinzufügt.

Zunächst ergibt sich dann:


3-6

3-5

3-4

3-3

3-2

3-1

30

31

32

33

34

35

36



Hier ist nun das 9-tönige Grundsystem um zwei weitere Töne, nämlich die große Septime H und die kleine Sekunde Des erweitert worden.

Dies sind die charakteristischen und zusätzlich notwendigen Töne für die phrygische und die ionische Tonart. Da der Ton C bei beliebiger Frequenz Orientierungston sein soll, ergibt sich folgende 11-tönige Quintenbkette:

Des - As - Es - B - F - C - G - D - A - E - H

Bei musikalischer Beibehaltung des Orientierungstones C, der hier nicht wechseln darf, wird das symmetrische Grundsystem um die phrygische und die ionische Tonart erweitert.




Abb.6-8: Das um zwei Tonarten erweiterte
symmetrische Grundsystem




Damit kann man zwischen 5 Tonarten wechseln die dabei ineinander übergehen können.

Ausgehend von der ruhenden Mitteltonart kann man über die sanften Tonarten zu den strebenden Tonarten fortschreiten und somit noch stärkere Gegensätze in ein symmetrisches Gesamtgebilde hineinbauen.

Lediglich die beiden ek- bzw. instatischen Tonarten mit den charakteristischen Tönen Fis/Ges werden hier noch außen vor gehalten.

Das schließlich symmetrierende Verfahren bietet sowohl für Minusvarianten (Depression, Hemmungen, einseitige Formen der Introversion, usw.) als auch für Plusvarianten (hypomanische Bilder, Überaktivität, fixierte Extraversion, usw.) therapeutische Ansätze.


Die beteiligten 5 Tonarten haben die goldene Proportion

C - F - G - c

gemeinsam, daher dieses System eine eherne Stabilität besitzt.


Die Fülltöne beider Quarträume sind unterschiedlich oft beteiligt und variieren. Von unseren gewohnten 12 Tonqualitäten ist nur der Tritonus nicht vorhanden.

Eine Gesellschaft die von dem Willen getragen wäre sich selber mit Maß und Zucht zu führen, kann mit diesen 5 Tonarten sich lange stabil halten, sofern sie sich um den symmetrischen Ausgleich bemüht.

Sie wäre allemal kulturell höher einzuschätzen als unsere heutige mit ihrem gierigen Ausmaß vereinseitigter Strebetendenzen.

Zugrunde gehen müßte eine solche Gesellschaft schließlich aber auch, da ein solches 11-töniges System dem durch geistige Ursachen erzwungenen Wandlungsgeschehen in der Welt nicht folgen kann.


Die Wandlungsmission obliegt dem Tritonus, dem Komplementärtonus des Orientierungstones, der alles auf den Kopf stellen kann um es einer Läuterung zugänglich zu machen.

Der gewaltige Tonus dessen stärkste dissonierende Schubkraft dem stärksten Ruhegeschehen des Orientierungstones mit der Notwendigkeit der Gleichbeachtung gegenübersteht.

Dieser kommt als Fis und Ges schon mit ins Spiel wenn man die 11 - tönige Quintenkette zu einer 13 - tönigen wiederum symmetrisch erweitert.

Diese Erweiterung besteht dann aus den sieben pythagoräischen Tonarten, die man so also zu einem vollkommen symmetrischen Gewebe miteinander verbinden kann, in dem alle unsere gewohnten Intervallqualitäten vorhanden sind.

Zwischen ruhender Mitte und ekstatischer Introversion oder ekstatischer Extraverion ist es möglich sich hin und her zu befinden und zu bewegen.

Es sei hier noch folgendes kurz erwähnt. Ein 13-töniges System benötigt man um alle Kerntonarten von einem Orientierungston aus realisieren zu können.

Da aber die Wirkungen einer Tonart sehr unterschiedlich sind, jenachdem welchem Tonort im Quintenzirkel der Orientierungston angehört und wir 12 Tonorte unterscheiden ist also die Modulation, der Tonortwechsel des Orientierungstones eine wichtige Notwendigkeit, ein A - lokrisch wirkt anders als ein Es - lokrisch, einerseits, andererseits hat jede lokrische Tonart, unabhängig vom Tonort identische Wirkungsmerkmale.

Das gilt für alle Tonorte und Tonarten. Um nun alle Tonorte als Orientierungston zum Erleben und zum Wirken zu bringen, ist eine 25 tönige Quintenkette vonnöten.

Auf beiden Seiten der 13 tönigen Quintenkette müssen noch je 6 Quinten hinzugefügt werden.

3-12 - 312





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11. Alle in einer

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Das symmetrische Grundsystem mit drei Tonarten geht von 9 Tönen aus, wobei der Orientierungston immer derselbe bleibt, bzw. dessen Oktave.

Man kann sich nun aber auch eine Quintenfolge aus nur 7 Quinten bilden und wird dann finden, daß auch in diesen 7 Tönen alle drei Tonarten des symmetrischen Grundsystems enthalten sind.


Hierbei muß dann allerdings der Orientierungston wechseln und kann nicht derselbe bleiben.

Zur Durchführung bauen wir auf den weißen Tasten eines Synthesizers eine Folge reiner Quinten auf. Wir benutzen die weißen Tasten nur weil sie uns vertrauter sind als die schwarzen. Stimmen können wir die ganze Anordnung dann auf jede beliebige absolute Tonhöhe.

Die Quintenfolge lautet:

F - C - G - D - A - E - H

Zwischen den einzelnen Quinten liegt in pythagoräischer Stimmung immer ein reiner Quintenabstand von 702 Cent, keineswegs der temperierte Wert 700 Cent.

Dieser ist tonfarblich schon ein ganzes kleines Stückchen dunkler, und wir können ja nicht mehr auf Dauer tonfarblich temperierte Fischmänner und Fischfrauen bleiben, sondern der Weltenlauf ringt uns ein Werden ab.

Wassermannmänner und Wassermannfrauen zu werden, das fordert die Zeit. Hierzu ist auch das Licht der reinen Quinte mit seiner erhebenden Kraft erforderlich, denn um Wassermann zu werden, muß der Fisch sich aus dem Wasser erheben, der Fisch muß Wassermann werden.

Der Fisch ist reiner Wasserbewohner (terzenbetonte und terzenorientierte Mehrstimmigkeit, Unterdrückung der natürlichen Wertigkeit der Quinte durch das "Verbot" der Quintenparallelen), der Wassermann steht mit dem Oberkörper in der Luft, ist also Bewohner auch des luftigen, des mentalen Elementes.

Hier ist also auch eine Reaktivierung des Quintenerlebens angezeigt. Um sich hier kundiger zu machen, bilde man sich zwei- oder mehrstimmige Sätze und führe dabei ein "Verbot" der Terzenparallelführung durch. Dabei können dann viele Quinten- und Quarten aufeinander folgen, aber es können, nicht wie gewohnt, mehrere Terzintervalle und Sextintervalle aufeinander folgen.

Wenn man die Wirkungen solcher Gebilde erfährt, wird man schon allmählich dahinter kommen, daß notwendige Transformationen im Grunde eher leicht als schwierig zu bewerkstelligen sind.

Als dorische Tonfolge erhalten wir jetzt:

D - E - F - G - A - H - c - d

Der Orientierungston ist also D für die aufsteigende dorische Skala und d für die absteigende Sichtweise. Um mit denselben Tönen die äolische Tonart zu spielen, wechseln wir den Orientierungston, der nun eine Quinte aufsteigt zu A, bzw. a.

A - H - c - d - e - f - g - A

Der Orientierungston ist also jetzt ein anderer geworden, nämlich A für die passive äolische Tonart und a für die aktive Variante.

Die mixolydische Tonart erhalten wir indem wir eine Quinte, in der Quintenreihe von D aus hinabsteigen. Wir erhalten dann G, bzw. g als Orientierungston.

G ist Orientierungston der aktiven und g Orientierungston der passiven mixolydischen Skala.

G - A - H - c - d - e - f - g

Die drei Orientierungstöne stellen eine Quintenfolge von 3 Tönen dar:
G - D - A.

Betrachtet man den mittleren Orientierungston D, so hat dieser eine Oberdominante A und eine Unterdominante G.


Die drei Töne stellen gemeinsam die goldene Proportion (Grundton - Quart - Quinte - Spitzenton) der dorischen Tonart dar. So ist die dorische Tonart das Zentrum des symmetrischen Grundsystems.

Beim Spielen ist es nun sinnvoll, kadenzartig den Orientierungston zu wechseln, sich aber auch grundsätzlich auf die 3 Orientierungstöne zu beschränken, dem melodischen Vorgang stehen natürlich alle 7 Töne zu.

Hierbei muß man sich klar sein, daß jeder Wechsel des Orientierungstones einen anderen Bezugston für die melodischen Töne herstellt, also einen Tonartenwechsel darstellt. Auch bei dieser Beschränkung auf die 3 Grundtöne, bzw. 3 Spitzentöne ist aber schon ein recht vielfältiges Musizieren möglich.

Polyphone zweistimmige Ausweitungen auf 7 Töne sollte man erst durchführen, wenn einem die Charakteristika der Tonarten selbstverständlich geworden sind und die Abweichungen nicht mehr irritieren, sondern zusätzliche Differenzierungen erschließen.

Die anderen vier Töne der siebenstufigen Quintenfolge können auch Orientierungston werden. Sie sind es ja schon im Rahmen des "dur"- haften sowie des "moll"-haften Grundsystems gewesen. Man kann die kadenzartige Begleitung des melodischen Verlaufes nun um zwei Orientierungstöne erweitern, nämlich eine Quinte von A aufsteigend ergibt E als Orientierungston der phrygischen passiven Tonart und e als Orientierungston der aktiven phrygischen Tonart, sowie eine Quinte von G absteigend ergibt C als Orientierungston der aktiven ionischen und c als Orientierungston der passiven ionischen Variante.

Anschließend kann man dann am oberen Ende der Quintenkette H als Orientierungston der lokrischen Tonart und am unteren Ende der Quintenkette F als Orientierungston der lydischen Tonart hinzufügen.

Dann sind alle pythagoräischen Kerntonarten aus einer siebentönigen Quintenkette entwickelt. Das polyphone Material ist vollständig da den Orientierungstönen nun dieselben Töne zur Verfügung stehen wie der melodischen Linie.

Nun es fragt sich, ob man bei Bildung einer selbständigen melodischen Linie aus den Orientierungstönen eine Wirkung zustandebringen kann, die die bis jetzt herausgearbeiteten Charakteristika der Tonarten trotzdem realisieren kann!

Man muß zunächst vermuten, daß der melodisch eigenständige Verlauf der Orientierungstöne durch den ständigen schnellen Wechsel des Orientierungstones keine derartigen Wirkungen erlebbar machen kann, da sich die Wirkungselemente zu einem großen Teil widersprechen und aufheben.

Man gewinnt wohl harmonisch perfekte kontrapunktische Gebilde mit zwei selbstständigen Melodieverläufen, aber verloren gegangen oder recht schwach geworden sind die fundamentalen Wirkungsmöglichkeiten der Tonarten.




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Verfasser: Gerhard Ochsenfeld, 1997